21. Internationale
Photoszene
Köln 2012

Post Mortem

  • Ciro Lauria: Mord in Acerra.

    Ciro Lauria: Mord in Acerra.

Es gibt nur noch wenige Dinge, die in unserer fortgeschrittenen Gesellschaft, regiert von der Kommerzialisierung und der Schaulust, noch als Tabu gelten. Eins davon ist der Tod. Man spricht nicht darüber. Und wenn er dann als Tatsache direkt in unseren Blick gerät, passiert es immer, wenn auch nur für einen kleinen Moment, dass unsere Gewohnheiten erschüttert werden, dass unsere bürgerlichen Sicherheiten relativiert oder sogar ausgelöscht werden. Dies umso mehr, wenn sich der Tod schrecklich, blutig und keineswegs süß darstellt. Dies ist der Fall in Dutzenden Mordfällen der Camorra, plötzliche und gewaltsame Hinterhalte, die auf dem Boden zerfetzte Körper hinterlassen.

Und doch scheint die menschliche Seele sich auch daran gewöhnen zu können, wenn dieser Tod nämlich alltäglich wird. In den öden Provinzen Neapels und Casertas lebt der Fotograf Ciro Lauria. Er erreicht die Tatorte nur wenige Minuten nach dem Eintritt des Todes (wenn der Klimax schon überschritten ist) mit seinem Fotoapparat, um genau diese Art der Gewöhnung zu dokumentieren. Um zu zeigen, wie dieser Tod, wie er vielfach in dieser Gegend vorkommt, uns langsam durchdringt.

Im Zentrum der Fotos von Lauria steht daher nicht unbedingt der furchteinflößende Leichnam, der die Gewalt der Mafia dokumentiert, sondern dass, was um den Körper herum geschieht. Sie enthüllen uns durch eine naturalistische Bildgebung, die durch den Stil der Nachrichtenfotos geprägt ist, in scheinbar realistischer Weise Orte, Gesichter, Gesten und Haltungen, die, trotz der unfassbaren Ereignisse vor ihren Augen, kaum oder gar nicht ungewöhnlich und dramatisch sind. Sie erscheinen uns, wenn wir darüber nachdenken, umso furchtbarer, und zwar genau wegen ihrer nicht vorhandenen Dramatik und ihrer Gewöhnlichkeit.

Zurück zur Liste

Kommentare

Bisher gibt es keinen Kommentar zu dieser Ausstellung. Schreiben Sie den ersten!

Einen Kommentar schreiben ↓

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder. Die Eingaben werden nicht angezeigt. Wir behalten uns das Recht vor, beleidigende oder den Anstand verletzende, unwahre und irreführende Kommentare zu löschen bzw. zu redigieren.


Künstler

Ciro Lauria

Ort

Italienisches Kulturinstitut
Universitätsstraße 81
50931 Köln
(0221) 932 29 55

Dauer

18.09. bis 02.10.

Öffnungszeiten

Mo-Fr9 -13 Uhr
14-17 Uhr

Internet

www.festival-all-italiana.de