21. Internationale
Photoszene
Köln 2012

Something Else

  • Yutaka Takanashi

    © Yutaka Takanashi, Hongo: Hongokan Apartment, 6-20-3 Hongo, Bunkyo-ku, aus der Serie "Machi" (Town). 1975 Cibachrome, printed 2012

Die Galerie Priska Pasquer freut sich, die zweite Einzelausstellung des japanischen Fotografen Yutaka Takanashi (*1935) zu präsentieren.

Zur Vernissage am 8. September um 12:30 Uhr führt Ferdinand Brüggemann in das Werk ein.

Yutaka Takanashi war Mitbegründer der legendären „Provoke“ Gruppe, die Ende der 1960er Jahre die japanische Fotografie revolutioniert hat und deren Einfluss bis heute in Japan als auch im Westen zu spüren ist.

Das Werk von Yutaka Takanashi war erst kürzlich in der Soloshow „Yutaka Takanashi“ in der Fondation Henri Cartier-Bresson, Paris, zu sehen. Die Ausstellung in der Galerie Priska Pasquer zeigt eine Auswahl von Arbeiten aus der Fondation Henri Cartier-Bresson Ausstellung. Gezeigt werden Schwarz-Weiß-Fotografien aus der Publikation „Toshi-e“ (Towards the City, 1974) und frühe Farbarbeiten aus dem Bildband „Machi“ (Town, 1977) als Werke auch der Serie „Shinjuku – Text of a City“ von 1982-83.

Zentrales Thema von Yutaka Takanashi ist die Veränderung der Stadt Tokyo vor dem Hintergrund einer sich rapide wandelnden japanischen Gesellschaft. In “Toshi-e” verbindet Takanashi ein vielschichtiges Bilder der Stadt Tokyo und ihrer Einwohner mit Ansichten von trostlosen, düsteren, meist menschenleeren Landschaften, in die sich Stadt und Industrie hineingefressen haben. Während die Stadtbilder noch dem Ansatz einer subjektiven Dokumentarfotografie folgen, sind die Landschaftsaufnahmen ganz in dem radikalen “Provoke“ Stil gehalten, der in Japan als “are, bure, boke” – (‘rau, unscharf, unfokussiert’) – charakterisiert wird. Mit dieser rauen , flüchtigen und expressiven Bildsprache brachen Takanashi und die anderen Mitglieder der “Provoke” Gruppe, zu der unter anderem auch Daido Moriyama gehörte, endgültig mit Ästhetik einer berichtenden Fotografie – und der damit verbundenen Idee, dass die Fotografie ein verbindliches Bild von der Wirklichkeit erzeugen können. Zugleich zeichnet Takanashi mit „Toshi-e“ eine düstere Zukunftsvision einer Industrienation dessen Umwelt immer lebensfeindlicher erscheint und in dem der Mensch letztendlich zu einem Fremdkörper wird.

Direkt im Anschluss an „Toshi-e“ hat Yutaka Takanashi seinen fotografischen Stil grundlegend gewandelt. Anstatt der bewegten Kleinbildkamera nutzt Takanashi jetzt eine großformatige Plattenkamera. In „Machi“ (Town) zeigt Takanashi das vergehende Tokyo der Vorkriegszeit. In präzisen und in warmen Farben gehaltenen Cibachrome Abzügen beschreibt Takanashi die kleinen Gassen der Vorstädte mit altmodischen Holz- und Ziegelbauten in denen sich die kleinen Geschäfte und Handwerksbetriebe befinden. Zudem zeigt die Ausstellung arbeiten aus der Serie „Shinjuku – Text of the City“ von 1982-83 mit einer Kleinbildkamera aufgenommenen Farbfotografien von kleinen Bars und engen Gassen aus dem Stadtteil Shinjuku. In dieser Serie konzentriert sich der Künstler auf die räumlichen Elemente der Etablissements.

Den Wechsel zwischen den fotografischen Techniken belegt Takanashi’s rationalen Umgang mit dem Medium Fotografie. Er folgt bei der Auswahl der Kamera der sich verändernden Realität in Japans Metropole. Die Kleinbildkamera nutzt er um aus der Bewegung heraus die sich kontinuierlich im Fluss befindenden Großstadt aufzunehmen und im Falle von Toshi-e als “Jäger” seine düstere Vision von Japan in eine Bildserie zu überführen. Die Plattenkamera dient ihm, wie er sagt, um als “Lumpensammler” das Vorgefundene präzise wiederzugeben und mehr noch für einen Augenblick die Zeit anzuhalten und den Blick den Orten zu zuwenden die sich als Residuen traditioneller Lebens- und Architekturformen im Zuge der rasenden Veränderung Tokyos und der japanischen Gesellschaft dem Untergang geweiht sind. „I have taken many pictures of changing city according to the time. I changed camera. I changed distance from objectives. I changed walking speed when I took pictures. My aim is not to make a pile to heaven of masterpieces in the pyramid shape but to walk on the ground to make anonymous pictures. I will keep on walking far and far in forming infinite line and it should be.“

Kurzbiographie

Geboren 1935 in Shirogane-cho, Ushigome-ku (heute Shinjuku, Tokyo) Studium der Fotografie an der Nihon University. Erste Veröffentlichung von Fotografien in Sankei Camera. Assistenz in der Dunkelkammer bei Osamu Yagi. 1959-61 Studium an der Kuawasa Design School.

Angestellter Fotograf bei Nippon Design Center; erhält mehrere Preise für seine Werbefotografien. Gleichzeitig nicht kommerzielle Fotoprojekte. 1968 Mitbegründer des Magazins Provoke, zusammen mit Takuma Nakahira, Takahiko Okada und Koji Taki. 1974 erste Publikation Toshi-e (Towards the City / In die Stadt), die als Meisterwerk der Provoke-Ära gilt. Arbeiten in schwarz/weiß und in Farbe, in Verbindung mit der Faszination für Menschen und den Stadtraum, finden Eingang in weitere Fotobücher wie Machi, Tokyo-jin 1978-1983 oder Miyako no Kao. 1980 Assistant Professor, 1982-2000 ordentlicher Professor an der Tokyo Zokei University of Art and Design.

Erhält etliche Preise, u. a. den Japan Photo Critics Association Award als „New Comer“ 1964, den Grand Prix Youth Biennale in Paris 1967; 1984 und 1993 Award of the Year von der Photographic Society of Japan. Domon Ken Award 2012. Yutaka Takanashi lebt und arbeitet in Tokyo.

Die Arbeiten von Yutaka Takanashi wurden in einer Vielzahl von Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. U. a. „Fifteen Photographers Today“, National Museum of Modern Art, Tokyo 1974; „Neue Fotografie aus Japan“, Kunsthaus Graz, 1976; „Photokina `78“, Köln 1978; „Tokyo, City Perspective“, Tokyo Metropolitan Museum of Photography, Tokyo 1990; „Japanese Culture: the Fifty Postwar Years“, Meguro Museum of Art, Tokyo 1996; Retrospektive: „Yutaka Takanashi: Field Notes of Light“, National Museum of Modern Art, Tokyo 2009; „Yutaka Takanashi, Photography 1965-74“ Galerie Priska Pasquer, Köln 2010; „Tokyo-e“, Le Bal, Paris, 2011; „Yutaka Takanashi“, Fondation Henri Cartier-Bresson, Paris 2012.

Publikationen (in Auswahl)

  • Toshi-e (Towards the City). Tokyo 1974
  • Machi (Town). Tokyo 1977
  • Toshi wa Yume Mizu (City doesn’t Dream). Tokyo 1979

  • Tokyo-jin 1979-1983 (Tokyoites 1978 – 1983). Tokyo 1983

  • Miyako no Kao: Visages of a Metropolis. Tokyo (1989)

  • Menmoku Yakujo: Jombutsushashin kurunikuru (Chronicle of Portrait Works), 1964-1989. Tokyo 1990
  • 
Jinzo (Human Images). Tokyo 1979

  • Hatsukuni: Pre-Landscape. Tokyo 1993
  • 
Chimeiron: Genius Loci. Tokyo 2000
  • 
Nostalghia. Tokyo 2004

  • Kakoi-machi (Fencing City). Tokyo 2007
  • Yutaka Takanashi. Field Notes of Light. Tokyo 2009



  • Yutaka Takanashi, Toshi-e, Books on Books #6, New York 2010
  • Yutaka Takanashi – Photography 1965-1974
, Berlin 2010
  • In’. Tokyo 2011
  • Yutaka Takanashi, Paris 2012
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Künstler

Yutaka Takanashi

Ort

Galerie Priska Pasquer
Albertusstr. 9
50667 Köln
0221.9526313

Dauer

08.09. bis 03.11.

Eröffnung

08.09.2012, 12:30 Uhr

Öffnungszeiten

Di–Fr11–18 Uhr
Sa12–16 Uhr

Internet

www.priskapasquer.de