21. Internationale
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Köln 2012

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Filmabend im Hotel TIMP

19. 09. | Veröffentlicht in

In der Ausstellung Pimp the TIMP, Volume II finden heute zwei interessante Events statt:

Um 18 Uhr führt Kuratorin Tina Schellhorn durch die Ausstellung. Anschließend startet um 20 Uhr ein Filmabend mit Miro Zownir.

Bruno S., Die Fremde ist der Tod

Dokumentarfilm, BRD, 2003, 60min.

Der 1932 in Berlin geborene Bruno S. verbrachte seine Kindheit und Jugend in Heimen, psychiatrischen Anstalten und Obdachlosenasylen. Bekannt geworden durch seine Darstellung des Kaspar Hauser in Werner Herzogs Film JEDER FÜR SICH UND GOTT GEGEN ALLE (1975) schien dem oftmals verspotteten Außenseiter endlich der Ausbruch aus seiner Isolation gelungen zu sein. Ein Jahr später besetzte Herzog die Hauptrolle in seinem Film STROSZEK wieder mit Bruno, dem er nach eigenen Aussagen damit ein Monument setzen wollte.

Doch mit diesem Teil seiner Vergangenheit hat Bruno S. längst verbittert abgeschlossen. Da haben sie ihn gesucht und gebraucht dafür. Bruno ist doch nur ein Wegwerfartikel, sagt Bruno S. über seine Zeit als Schauspieler, denn seinem kurzen, schnellen Ruhm folgte lebenslängliche Einsamkeit. Die Distanz, die er zu sich selber findet, wenn er in der dritten Person von sich spricht, scheint ihm zu helfen die vielen Verletzungen seiner Seele von Außen zu betrachten.

Wie Bruno S. lebt, zeigt Miron Zownirs Dokumentarfilm. Dabei geht es nicht darum ihn als Opfer von Institutionen und Vorurteilen zu zeigen, sondern als einen Menschen, der allen Benachteiligungen zum Trotz ohne fremde Hilfe seinen eigenständigen Weg gefunden hat. Gegen die ihm widerfahrenden Ungerechtigkeiten versucht Bruno S. sich zu wehren, indem er Bilder malt und seit über 30 Jahren mit seinen Musikinstrumenten um Berlins Häuser zieht.

Eine Koproduktion von Virus Films und Icon Film

ZOWNIR – Radical Man

von M.A. Littler. Dokumentarfilm, BRD , 2007, 60min.

Thematisch befasst sich Littlers Film mit Miron Zownirs Kindheit im Nachkriegsdeutschland, dem Aufstieg der Punkbewegung in London und Berlin in den späten 70er Jahren, dem Aufblühen und Sterben der sexuellen Revolution in New York in den frühen 80ern, dem sozialen Verfall der ehemaligen Sowjetunion, sowie Zownirs tragischkomischen Erzählungen über Outlaws und Outsider jeglicher Art.

Der Film enthält ausführliche Interviews mit Miron Zownir, Szenen aus seinen beiden Filmen JETZT ODER NIE (1996) und DEAD END (1992), Lesungen aus seinem Roman KEIN SCHLICHTER ABGANG sowie Montagen seiner Fotos. ZOWNIR-RADICAL MAN wurde in kontrastreichem schwarz-weiß gedreht unter Verwendung der 25p und HD Technologie sowie Super 8 Umkehrfilm.

Die Reduziertheit und Direktheit des Films, erlauben dem Zuschauer einen ungestörten und intimen Einblick in Zownirs Leben und Arbeit ohne jegliche technische Effekthascherei. Giant Mats archaischer und minimalistischer Wasteland Blues unterstützt die apokalyptische Grundatmosphäre Zownirs Arbeit. ZOWNIR – Radical Man ist kein einfacher, sich dem Zuschauer anbiedernder Film, er ist hart und brutal, jedoch auch voller Einfühlung, Melancholie und Magie …